Rolltreppen-Deppen, auch Stufen-Trolle genannt, treten immer dann in Erscheinung, wenn man sie am wenigsten erwartet. Du stehst auf der Rolltreppe zusammen mit anderen müden, abgespannten Menschen, und rollst halb im Dämmerzustand in den Sonnenuntergang Feierabend. Vor Dir auf der Rolltreppe bahnt sich das Grauen an. Unbemerkt hat sich ein Rolltreppen-Depp in die Schlange gemogelt und wartet. Er wartet auf den richtigen Aufblick, um gnadenlos zuzuschlagen.
Getarnt hat sich der Rolltreppen-Depp als harmlose Oma mit einem Einkaufswägelchen oder als kragengestärkter Geschäftsmann - wahlweise mit einem schwarzen, businessmäßigen Samsonite-Rolli - und verhält sich ganz unauffällig. Er lauert.
Dann kommt seine Stunde. Endlich hat seine Stufe das obere Ende der Rolltreppe erreicht. Jetzt gilt es. Jedes Zögern wäre fatal, das kleinste Zucken würde den Troll aus dem Konzept bringen, seine Entschlossenheit ins Wanken bringen. Er müsste seine Terror-Aktion abbrechen und hoffen, sich in den Menschmassen ungesehen Richtung Ausgang treiben zu lassen. Aber da fasst er sich ein Herz. Jetzt oder nie! Abrupt bleibt er auf dem oberen Treppenabsatz stehen.
Augenblicklich bricht das Chaos los. Menschen prallen auf Menschen, stolpern über den Koffer des Rolltreppen-Deppen. Sie fluchen, schimpfen, manche treten nach. Immer mehr Leute werden von der Rolltreppe nach oben gespült. Ein Knäuel aus Leibern bildet sich, das nicht mehr vor und zurück kann. In Panik werden Fäuste eingesetzt. Kinder weinen. Unbeirrbar dreht sich die Maschine weiter. Der Rolltreppen-Depp bleibt ungerührt stehen und blockiert weiter den Aufgang. Er grinst. Mission erfüllt.
Es gibt Leute, die glauben an das Gute im Menschen. Sie üben Toleranz und Mitgefühl. Sie argumentieren, dass niemand als Rolltreppen-Depp geboren wurde. Irgendwas ist schief gegangen. Sie möchten gern glauben, dass der Stufen-Troll vielleicht gar kein fanatischer Unruhestifter und ein geborener Gangway-Terrorist der schlimmsten Sorte ist. Vielleicht hat der Rolltreppen-Depp nur das Prinzip einer Rolltreppe nicht völlig durchschaut?
Diese Rolltreppendeppen gibt es überall, im Supermarkt parken sie ihren Wagen quer im engen Gang etc.
Außerdem müsste man diese Rollis verbiten, per Bundesgesetz, heute hier und sofort.
Durchtrainierte Oberkörper schaffen es sogar eine Koffer, meistens sind es eh nur Köfferchen , zu tragen :-)
orangata
04. November 2006
Es gibt immer eine Steigerung:
auf dem Frankfurter Flughafen war einmal die “weiterführende” zweier mit dem Gepäck-Trolley benutzbarer Rolltreppen defekt. Was macht also der geübte Depp? Er bleibt auf dem Absatz zwischen den beiden Rolltreppen stehen und überlegt in aller Ruhe, was zu tun ist. Auf die Rufe von hinten “bitte weitergehen, nicht stehenbleiben” reagiert er unwirsch mit einem “ich weiß doch nicht wohin, wartet doch einfach”. Dass spätestens ein Stau mit beladenen Gepäcktrolleys nun wirklich alles andere als witzig ist, interessiert die Leute wohl nicht. Wir mussten sie jedenfalls fast schon mit Gewalt dazu bringen, endlich seitlich durch die Tür ins Freie zu fahren. :-(
Wolfgang
04. November 2006
Diese Rolltreppen-Deppen gibt’s in allen Schattierungen. Manche steigen auch aus der proppenvollen U-Bahn am Hauptbahnhof aus, um direkt vor der Tür Orientierung suchend zu verharren. Da stehen sie also und glotzen, während sich hinter ihnen eine Traube unmutiger Leute bildet, die nicht aus dem Wagen kommt und gerade ihre S-Bahn verpasst.
Jacky
05. November 2006
In die Auflistung der absichtlich rücksichtslosen Rolltreppen-Deppen gehören unbedingt auch noch die suchtgeschüttelten Raucher: Kaum aus der S-Bahn ausgestiegen, fingern sie zittrig Zigaretten und Feuerzeug heraus, um pünktlich bei Ankunft an der Rolltreppe den ersten tiefen Zug zu nehmen - und die wehrlosen Opfer hinter sich in Qualm zu ersticken. Selbst der sonst anwendbare, äußerste Notbehelf gegen arrogante Rücksichtsloslinge mit Zigarette in der Hand hilft auf der Rolltreppe nicht mehr: Weggehen ist nicht, wenn man erst einmal rollt :-(
Franz Neumeier
05. November 2006