Ich starte heute mal ein neues Stöckchen. Und zwar zum Thema Cover-Versionen. Ja, was hat Jacky denn geritten? Die meisten Cover sind doch eh scheiße! Stimmt. Aber es gibt auch Perlen, die das Original in den Schatten stellen und es erst zu dem machen, was es heute ist – einem Ohrwurm, einem Klassiker oder einem Rocker. Bestes Beispiel sind immer Bob-Dylan-Songs. Die oft rohen, sparsam dahergenuschelten Albumversionen des Mr. Zimmermann wurden von Jimi Hendrix (“All Along The Watchtower”) bis zu den Guns ‘n Roses (“Knocking On Heaven’s Door”) zu Bonbons gemacht. Zählt die jetzt echt die Gunners auf? Tut sie. Die Dylanologen werden mich kreuzigen, teeren und federn und vorsichtshalber noch pfählen (Adresse siehe Impressum, bitte nicht nach 22 Uhr). Andere werden argumentieren, dass die Essenz des Songs zählt und die meisten Cover die Lieder ohnehin nur überladen und verhunzen. Wie ihr meint. Ich selbst bin da auch geteilter Meinung.
Und doch: Ich habe mal in meinem Plattenschrank gewühlt und bin überrascht, wie viele tolle Coversongs ich da rausgezogen habe. Es gibt auch ganze Alben, die von Covern leben, zum Beispiel das grandiose “Gravelands” von The King, “Cover Magazine” von Giant Sand und weite Teile der American-Recordings-Reihe des unantastbaren Johnny Cash. Imitation ist die höchte Form der Bewunderung. Wer schauen will, wer wem huldigt, dem empfehle ich The Covers Project.
Also nun zum Stöckchen – ich mache mal den Anfang. Here we go:
1. Stelle drei Cover-Versionen vor, die Du richtig klasse findest. Wieso sind die so gut? Wie stehst Du zum Original?
Pearl Jam – “Crazy Mary”
Das Original von Victoria Williams ist großes Songwriting und nett gesungen, aber jede Live-Version von Pearl Jam haut dich um. Ursprünglich haben es Pearl Jam für den Sweet Relief Fund für die an MS erkrankte Sängerin eingespielt und haben es seitdem regelmäßig in ihrem Live-Repertoir. “That what you fear the most, could meet you halfway.”
Muse – “Feeling Good”
Pomp, komm raus, Du bist umzinglt! Diese Fassung von Nina Simone’s über 40 Jahre altem Soul-Ohrwurm hebt richtig ab. Multitalent Matthew Bellamy lullt dich erst ein und brät dir dann eins über. Ne ganze Menge anderer Songs von ihr sind gecovert worden, zum Beispiel von David Bowie (“Wild Is The Wind”) und Jeff Buckley (“Lilac Wine”).
William Shatner – “Common People”
Na, den habt Ihr jetzt nicht kommen sehn, oder? The Shat covert Pulps gesungene Gesellschaftssatire. Begleitet wird er von Ben Folds und Joe Jackson. Klingt gut. Und seine Wirkung verfehlt der Sprechgesang von William Shatner Rock God nie.
Na, einer geht noch:
Johnny Cash – One
Ein U2-Song, der von den Iren bereits perfekt arrangiert und eingespielt ist – und trotzdem setzt Cash noch das i-Tüpfelchen an Intensität oben drauf. Ich muss sagen, ich habe mit mir gerungen, denn Cashs schmerzhafte Version von “Hurt” von den Nine Inch Nails finde ich ebenso schaurig schön. Bei beiden Cash-Interpretationen hab ich aus dem Stand Pipi in den Augen. Kein Scheiß.
(Seh- und) Hörproben im Web:
Victoria Williams – Crazy Mary (keine Hörprobe, nur die Songtexte)
Pearl Jam – Crazy Mary (Konzert-Ausschnitt bei You Tube)
Nina Simone – Feeling good (Musikvideo bei YouTube)
Muse – Feeling good (Musikvideo bei YouTube)
Pulp – Common People (Musikvideo bei You Tube)
William Shatner – Common People (Musikvideo bei YouTube)
U2 – One (Musikvideo bei YouTube)
Johnny Cash – One (nur Audio bei Youtube)
NIN – Hurt (Konzert-Ausschnitt bei YouTube)
Johnny Cash – Hurt (Musikvideo bei Google Video)
2. Welche Cover findest Du unnötig, nervtötend, ja vielleicht sogar beleidigend?
So ziemlich alles, was Madonna zur Zeit so durch den Sampling-Wolf dreht. Zuletzt war es Abba. Das darf nicht passieren.
3. Cover, die die Welt BRAUCHT! Wer sollte mal einen bestimmten Song covern?
Hohoho! Wie wäre es, wenn The King mit seiner Elvis-Stimme Jeff Buckleys “So real” singt? Das könnte funktionieren.
Nick Cave’s “Let Love In” könnte ich mir in einer zerbrechlichen Country-Version von Emmylou Harris vorstellen.
Und Marylin Manson darf sich gern mal an Springsteens “Born in the USA” versuchen. Ich wette, der könnte dem Song seine eigentliche Bedeutung wiedergeben.
4. Hosen runter: Welche Songs “coverst” Du am liebsten, wenn Du Dich allein wähnst?
Mist, warum stelle ich auch solche Fragen. Ich vergreife mich ab und zu am Gesamtwerk von Meat Loaf und Ronnie James Dio, die sich herrlich schräg in Autos oder unter Duschen schmettern lassen. Wer sich schon mal an “For crying out loud” oder “Heaven and Hell” versucht hat, weiß, was ich meine. ;-)
5. Wem wirfst du dieses Stöckchen zu und was erwartest du Dir?
Den üblichen Verdächtigen: Livs Caipi-Blog soll sich mal nüchtern äußern. Ich weiß, dass Liv manchmal für meine Ohren ungewohntes Zeug horcht – da kann man also was spannendes erwarten. ;-)
Und von Franz’ Musikgeschmack habe ich bisher nur Fetzen aufgeschnappt, da will ich jetzt mehr lesen und hören. Ich erwarte schonungslose Aufklärung!
Das nächste Stöckchen schlägt im Thelastbeat-Weblog ein. Mal schaun, was der eingeschworene Musikblogger noch für schöne Dinge über Cover-Songs weiß.
Und dann geht ein Stöckchen bei Marc nieder, der auch auf dem Pearl-Jam-Konzert in Wuhlheide war und sein erstes Stöckchen bekommt. Viel Spaß beim Wühlen im CD-Schrank! :-)












Weblog-Spam nervt…
Am Wochenende hat es uns erwischt: Das Internet Pro Weblog, gehostet von Typepad, wurde von einem Spammer nach Strich und Faden zugeballert. Über Nacht kamen so 2159 Spam-Kommentare zusammen. Und alle in einem Schwung löschen geht nicht: Weder die IP…
[...] Jacky von idiotenpack.de warf mir ein Stöckchen zum Thema Cover-Versionen zu. “Die meisten Cover sind doch eh scheiße”, ist sie der Meinung. Volle Übereinstimmung! Hey, aber für einen Link, die Teilnahme an einem Kettenblog-Massakker und die Hoffnung auf eine wenig Traffic mach’ ich ja bekanntklich alles. [...]
oh, oh, ob ich für cover-versionen wirklich der richtige ansprechpartner bin? ich bin gerade 400 km von meiner cd-sammlung entfernt, melde mich wieder, sobald ich sie wieder im zugriff habe (aus dem kopf kriege ich es nicht hin)
Ja, das kann ich mir denken. Ich habe auch viel Zeit vor dem Schrank verbracht. :-)
[...] Ein schönes, weil spannendes Stöckchen, das Jacky mir da zugeworfen hat. Ist ja fast schon ein wenig zu persönlich, aber doch sehr reizvoll. Für jemanden, der Musik eher zufällig konsumiert, sich weder Songtitel noch Texte merken kann, der in den den letzten 5 Jahren höchsten 3 CDs gekauft und ebenso wenige kopiert hat, sind die Fragen aber auch ein echte Herausforderung Trotzdem: Hier sind meine hart erarbeiteten Antworten: [...]
Cover-Stöckchen…
So, liebe Jacky, lang hast du warten müssen, aber endlich sind mir Antworten eingefallen, und die “50 Jahre Bravo”-Show war eine große Hilfe.
1. Stelle drei Cover-Versionen vor, die Du richtig klasse findest. Wieso sind die so g…
[...] mir das Cover-Song-Stöckchen so viel Spaß gemacht hat, habe ich noch ein Mixtape mit empfehlenswerten Coverversionen [...]