Es hätte das beste Konzert des Jahres sein können. Coheed and Cambria wurden von einer Support-Truppe verstärkt, wie man sie sich nur wünschen kann. Oceansize, von mir bisher zu Unrecht völlig ignoriert, spielten sich die Finger wund, als wäre das ihre Headlinershow. Irgendwo zwischen Radiohead - nur härter - und Envy - nur ohne die extremen Wechsel zu leisen Passagen - liegt ihr Stil, der live einfach mitreißend wirkt. Ein bisschen Rock, ein bisschen Prog, ein bisschen Hardcore. Drogen für die Ohren.
Aber wir sind ja wegen Coheed and Cambria hier. Album Nummer 4, der Abschluss der Armory Wars Saga, macht genauso viel Spaß wie die Vorgänger, die bei mir mit schöner Regelmäßigkeit dudeln. Vielleicht noch etwas eingängiger, mit richtigen Radio-tauglichen Hits drauf. Naja, da muss man durch. Ich lasse mir meine Musik nicht von der Generation MTV weghypen. Die Stimmung in der Kleinen Elserhalle war jedenfalls spitze, auch wenn das Publikum bisweilen recht jung war. Die Leute waren im Vergleich zum letzten Gastspiel der Amis auch erstaunlich textsicher. Und wie passend die kleine Elserhalle ist, mit ihrer aufgebockten Battlestar-Galactica-Viper! Hey, ich hatte echt Bock auf ne kleine Feier an dem Abend.
Aber da war dieses verfluchte iPhone. Das Ding, frisch gekauft, hatte meinen Konzert-Begleiter fest im Griff. Ich glaube nicht, dass er irgendwas vom Konzert mitbekam. Er hatte jedesmal dieses teure Gadget vorm Gesicht, um mit der eingebauten Notkamera zu knipsen oder zu filmen, wenn ich rüberschielte. Oder sein Kopf war über das Display gebeugt, um die tollen Live-Momente, die er gerade verpasst hatte, zu begutachten. Also einfach ignorieren, den Mann. Wir wollen Spaß. Die Setlist war wie beim letzten Mal im Februar 2006 sehr erfreulich. Das Iron-Maiden-Cover “The Trooper” fand ich schon damals irre. Das Highlight sollte aber ganz zum Schluss in der Nachspielzeit kommen. Die Band beendet die Zugabe nämlich mit einer über 20-minütigen Version von “The Final Cut”. Inklusive Gitarren-Wahnsinn. Ein gigantischer Song. Mein Lieblingssong. Ich bin also völlig vertieft und singe mit als gäbs kein morgen. Wie brutal! Wie geil! Da ist nebenan wohl der Akku alle und der Kollege fragt, ob er schon mal die Jacken holen soll. Ich kann gar nicht beschreiben, wie erbost ich war. Der Song war ruiniert.
Coheed and Cambria, Kleine Elserhalle München, 15.04.2008
Support: Oceansize
Die Kollegen vom Metal Hammer waren übrigens in Hamburg live dabei und haben auch viel fotografiert.
Kommentar schreiben