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Ärgerlich, wenn die Supporttruppe schon spielt, wenn man die Halle endlich entert. In diesem Falle besonders doof, weil vor Iced Earth anscheinend niemand mehr als Vorvorband gespielt hat, so dass wir trotz pünklichen Aufschlagens im Zenith den Anfang des Iced-Earth-Sets verpassen. Die Halle ist bereits gut gefüllt, und der Eingang praktischerweise verstopft. Was sollte das mit dem schmalen Mini-Eingang an der Seite? Geht es noch langsamer beim Einlass? Drängel, drängel, schnell noch ein Spezi geschnappt und nach vorn ins Gewühle also. Dort ist dank zwischengeschalteter Absperrung auch halbwegs Platz.

Iced Earth

Huch - wo sind denn die Haare? Matt Barlow hat die Haare-bis-zum-Arsch-Frisur in ein pflegeleichtes 2-mm-Modell eingetauscht. War wohl bei der Homeland Security nicht so ein Ankommer, die Metalmatte? Geil, die Band rockt richtig los, der Sound ist allerdings Zenith-üblich so naja. Bei diesen großen Hallen scheint es immer irgendwie zu hallen. Hehe, kleiner Reim am Rande. Aber hey, ich steh auf die Jungs und hab richtig Spaß. Um sich viel zu bewegen ist es eigentlich viel zu heiß, die Brühe läuft. Das Set ist vorzüglich. Ich freue mich über das kraftvolle "Dracula", Michela kennt  immerhin "Melancholy". Schade, mit "Iced Earth" kommt schon der Rausschmeißer. Ich muss sagen, mit Matt gefällt mir die Band auch live einen Tick besser. Zumal Matt eine stimmliche Kondition hat, die sagenhaft ist. Ripper Owens schien nach anspruchsvollen Passagen immer ein wenig aus der Puste. 

Beide Truppen haben sich wiedervereinigt und neue Alben sind auf dem Weg in die Läden. Bei Judas Priest sind bereits neue Songs zu erwarten, die Jungs um Jon Schaffer haben nur die Klassiker im Gepäck. Der Umbau klappt schnell, weil das Priest-Inventar mit Aufbauten und Laufstegen schon hinter dem Vorhang zusammengezimmert ist.

Rob Halford taucht in einem silbernen Priestergewand oben auf einer Plattform auf, als Judas Priest mit einem neuen Song vom noch nicht veröffentlichten Konzeptalbum "Nostradamus" loslegen. Priest seh ich zum ersten Mal. "Metal" Gods", "Between The Hammer And the Anvil", "Hell Patrol" und das unverzichtbare Monsterriff "Breaking The Law" brettern ordentlich. Die neuen Stücke dazwischen fallen vor allem durch eher monotonen Gesang auf. Das gesamte Set lässt die typischen Halford-Screams vermissen. Man wird eben auch nicht jünger. Dafür sind die neuen Sachen epischer angelegt und entwickeln sich daher nur langsam. Mittlerweile ist das Album ja draußen, und entgegen der eher verhaltenen Kritiken finde ich es jetzt gar nicht so übel. Ich kann das Doppelalbum durchaus genießen - es ist halt nicht unbedingt das Material drauf, das man von Priest erwarten würde. Und manche Songs sind auch ein bissel lahmarschig, aber bei zwei CDs sind halt auch ein paar ruhigere, langsamere Sachen dabei. Live werden die Nostradamus-Tracks auch etwas vorsichtig beäugt. Die üblichen Bühnen-Gimmicks sind ganz nett anzusehen - Outfitwechsel und Winkelemente, eine kurze Sitzpause auf dem Motorrad - "Fahren" kann man das ja nicht nennen - und ein Thron für Rob gehören zu den Hinguckern. Ein bisschen Bewegung auf der Bühne hätte aber auch nicht geschadet.

Judas Priest

Also ehrlich gesagt haben mir Iced Earth unterm Strich etwas besser gefallen. Die Band ist spieltechnisch erste Sahne, die Songs sind druckvoll, abwechslungsreich und clever strukturiert und ballern voll auf die Hundert. Und der lahm über die Bühne schlurfende Rob, den Blick schön nach unten gerichtet, kommt als Frontsau auch nicht an Matt Barlow heran. Da werden jetzt viele Konzertbesucher anderer Meinung sein, aber ich weiß nicht so recht: Priest wirkte schon etwas schnarchig dagegen. ;-) Matt war an dem Abend auch der bessere Shouter, der von den tiefen Lagen bis zu den Screams alles souverän singen konnte. Trotzdem haben auch Priest ihre Sache gut gemacht, und die Metalheads haben jedes bekannte Stück lautstark mitgesungen. Keine Frage, auch ich hatte viel Spaß.

Judas Priest, Zenith, München, 24.06.2008

Meine Fotos von dem Abend im Zenith gibt’s bei Flickr. Unten stehen noch die Setlists, darin verlinkt sind ein paar bei YouTube gefundene Mitschnitte  - von genau diesem Münchner Gig. Und zu guter Letzt gibt’s hier noch einen anderen Konzertbericht.

 

Iced Earth Setlist

Vengeance Is Mine
Declaration Day
Violate
Pure Evil
Ten Thousand Strong
Dracula
The Coming Curse
Melancholy (Holy Martyr)
My Own Saviour
Iced Earth

 

Judas Priest Setlist

Prophecy
Metal Gods
Eat Me Alive
Between The Hammer And The Anvil
Devil’s Child
Breaking The Law
Hell Patrol
Death
Dissident Aggressor
Angel
Electric Eye
Rock Hard, Ride Free
The Sinner
Painkiller

(encore)

Hell Bent For Leather
The Green Manalishi

(encore)

You’ve Got Another Thing Coming

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