Ich habe ziemlichen Nachholbedarf. So viele Konzerte, so wenig Zeit zum Bloggen. Da wären zum Beispiel Iron Maiden in Prag (hier ein externes Review der geilen Show) und Death Angel im 59:1 in München, dann auf einer ganz anderen Baustelle die Gutter Twins und Woven Hand - beide im Wochenabstand im Ampere in München. Die Zeit reicht kaum, um die Fotos zeitnah hochzuladen.
Und jetzt also ein spontaner Road Trip nach Coburg zu Neil Young. Finally! Ich hab ja immer gelauert, dass er zu mir kommt. Ich meine, er weiß schließlich, wo er mich findet. Aber nö, Berlin, Leipzig, Oberhausen, Hamburg, nochmal Berlin - nur München war nie dabei. Aber dann Coburg. Immerhin noch in Bayern. Ich wäre aber nie dahin gekommen, wenn Wolfgang nicht den BMW angeworfen hätte und mit Marco und mir der Sonne entgegen nach Norden gebraust wäre.
Gelohnt hat sich der Aufriss: Als Headliner des Coburger Open Airs 2008 hat Neil Young mit seiner "Electric Band", die der Kerntruppe der Prairie-Wind-Band entspricht, ein perfektes Greatest-Hits-Set mit einigen Überraschungen gespielt. Die elektrischen Kracher "Powderfinger", "Cortez The Killer", "Rockin’ In The Free World", "Hey Hey My My (Into The Black)" und akustische Perlen wie "Old Man", Heart Of Gold" und "The Needle And The Damage Done" reihten sich aneinander, dass einem ganz schwindelig wurde. Der Hammer, welche Granaten Neil gleich zu Beginn abwirft. Ein einziger Titel vom jüngsten Album "Chrome Dreams II" hat es schließlich ins Programm geschafft: "Spirit Road" - ich hätte mich mehr über das überlange "Ordinary People" gefreut oder vielleicht auch "Box Car", zwei meiner liebsten Ex-Rarities.
Zwischendrin spielte die Band dann drei komplett neue Songs: "Sea Change", "Just Singing A Song", die schon bei vorangegangenen Gigs zu hören waren, und "When Worlds Collide", zum ersten Mal live aufgeführt. Weltpremiere in Coburg! ;-) "Sea Change" ist in meinen Augen das schwächste der neuen Stücke. Aber "Just Singing A Song" hat was. Die drei Songs findet man vielleicht demnächst auf einem neuen Album wieder. Oder hört sie nie wieder. Die Liste der unveröffentlichten und nur ein paar Mal live gespielten Songs ist bei Neil Young länger als der Bart, der einem bei der Warterei auf die "Archives" wächst. Ich hab ein wunderbares 5-CD-Bootleg-Set namens "5 Times or Less", das Bände spricht.
Überraschungen waren für mich das lustig dahin holpernde "Get Back To The Country" vom Country-Album "Old Ways" und das uralte, brilliante "Everybody Knows This Is Nowhere" vom zweiten, gleichnamigen Longplayer, bei dem anno dazumal Crazy Horse als Komplizen erstmalig auffällig wurden. Yeah! Okay, dafür mochte ich "Mother Earth" nie, und dass Neil Young sich dafür in Coburg ganz alleine in der hinteren Bühnenecke "einen orgelt", macht einen lahmen Song auch nicht besser. Dafür kam die geflügelte Mini-Orgel, die schon verheißungsvoll unter den Scheinwerfern baumelte, nicht zum Einsatz - ich hatte sie für ein sicheres Zeichen für "Like A Hurricane" gehalten!
Apropos Crazy Horse. Die sind grad abgemeldet. Und das ist gut so. Dank Ben Keith bekam zum Beispiel "Heart of Gold" wieder diese wunderbaren Steel-Guitar-Sounds wie auf "Harvest". Denn auf dem 72-er Album hat eben jener Ben Keith mitgewirkt. Auch Chad Cromwell ist ein willkommenes Upgrade gegenüber dem Crazy-Horse-Drummer Ralph Molina. Das uninspirierte Gekloppe hat mich zuletzt auf Alben wie "Greendale" nur genervt. Aber live sind Crazy Horse natürlich eine Naturgewalt.
Aber zurück zum Coburger Open Air… Am Schluss gab’s dann noch als einzige Zugabe "A Day In The Life" von den Beatles. Überraschend insofern, als dass Neil Young eher selten covert, höchstens mal einen aufgeHendrixten Dylan-Klassiker. Der Song passte wunderbar und endete mit einer Exekution: Vier Saiten der Les Paul gingen beim manischen Schlussgeschrammel zu Klump. Aus und vorbei. The Damage Done.
Setlist (Thanks to Sugar Mountain!):
Love And Only Love
Hey Hey, My My
Everybody Knows This Is Nowhere
Powderfinger
Spirit Road
Cortez The Killer
Cinnamon Girl
Helpless
Mother Earth
The Needle And The Damage Done
Unknown Legend
Heart Of Gold
Old Man
Get Back To The Country
Just Singing A Song
Sea Change
When Worlds Colide
Cowgirl In The Sand
Rockin’ In The Free World
(encore)
A Day In The Life

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